Mountainbiken – darf man das überhaupt?

WAS PASSIERT…

…wenn hundert Menschen baden wollen, und man bietet ihnen eine Badewanne – währenddessen nebenan ein schöner Pool ist, der nicht benutzt werden darf?

Ich glaube, man kann sich die Antwort vorstellen.

Ein bisschen ist das so mit dem Thema Mountainbiken bei uns. Unser Land – speziell die Steiermark – bietet die perfekte Topographie, das Angebot der legalen Möglichkeiten ist aber nicht annähernd dem Bedarf entsprechend.

Die logische Konsequenz? Es wird gefahren. Und nachdem das Forstgesetz aus dem Jahr 1975 ein Befahren des Waldes nicht gestattet, führt das zu Konflikten.

EIGENTUM…

…hat einen hohen Stellenwert bei uns. Das hat auch seine Berechtigung. Aber: man sieht hier mehr als deutlich die Notwendigkeit von Lösungen. Raschen Lösungen. Die Menschen wollen in die Natur – das ist gut! Was es aber ganz dringend braucht, ist das Bewusstsein für den Lebensraum Wald und ein Miteinander. Das ist der einzige Weg, um zu guten, nachhaltigen Lösungen zu kommen.

PROBLEME…

Womit wir schon bei den Problemen wären. Die Forstwirtschaft mit angehängter Industrie ist der zweitgrößte Arbeitgeber unseres Landes. Nachdem ich selbst sowohl ausgebildeter Forstwirt als auch staatlich geprüfter Mountainbike-Instruktor bin, kenne ich die Welten, die hier aufeinander prallen. Als Grundeigentümer möchte man keine unkontrollierte Nutzung seines Eigentums, keine illegalen Strecken auf seinem Eigentum, keine Dämmerungs- und Nachtnutzung. Und als Biker möchte man nicht, dass bei jeder Ausfahrt das Image eines Schwerverbrechers über einem schwebt.

Es gilt, ein flächendeckendes legales Angebot für die SportlerInnen zu schaffen – für Kinder, Familien, SeniorInnen bis hin zum Enduro- und Downhill-Bereich, für Räder vom Gravelbike bis zu mit Doppelbrückengabel ausgestattet. „Österreich ist Schlusslicht in den Alpen“ haben die „Salzburger Nachrichten“ unlängst getitelt – eine aktuelle Umfrage des Alpenvereins, die diese Aussage unterstreicht, findet ihr hier.

…UND LÖSUNGEN…

Weil nur dann hat sowohl die Bikeszene auch die Forstwirtschaft und Jagd etwas davon – eine Lenkung erziele ich nur, wenn es ein adequates legales Angebot gibt. Es braucht eine Absicherung und Entschädigung für diejenigen, die Grund und Boden zur Verfügung stellen – und das über ganz Österreich. Es braucht vor allem auch einen guten Dialog miteinander – wie oft lese ich in diversen Foren von gegenseitigen Anschuldigungen, die oftmals auf fehlendem Verständnis für die jeweils andere Welt beruhen. So kommen wir nicht weiter! Wenn wir eine für uns fremde Welt mit einer Offenheit und Neugier betreten, verstehen wir vielleicht, warum welche Dinge für manche Menschen wichtig sind. Dazu habe ich auch Mountainbike-Ausfahrten unter dem Titel „Bike & Forst“ geplant, die dazu dienen, BikerInnen über Forstwirtschaft und Jagd zu informieren.

…AUCH FÜR DEN TOURISMUS!

Der Tourismus ist unser wichtigster Wirtschaftszweig. Und genau deshalb ist es einigermaßen bemerkenswert, welche Chancen wir hier liegenlassen. Man weiss aus Studien, das BikerInnen bis zu 26% pro Tag mehr am Urlaubsort ausgeben als beispielsweise Wandernde – dennoch konzentriert sich der Biketourismus auf die umliegenden Länder, beispielsweise Italien, Slowenien, Schweiz oder Tschechien. Paradox, wenn man bedenkt, welche Rolle der Tourismus bei uns spielt.

KONKRETE MASSNAHMEN

In der Steiermark haben wir – auch dank unserer politischen Initiative letzten Jahres – seit heuer mit dem Ex-Profi Markus Pekoll einen fähigen Mountainbike-Koordinator. Landesrat Christopher Drexler ist hier mit dieser Bestellung einen mutigen Schritt gegangen – und in Monaten seit seines Amtsantritts hat sich gezeigt, wie wichtig diese Position ist. In einem weiteren Schritt braucht es aber auch auf Bundesebene eine Koordinationsstelle, darüber existiert – noch – keine bundesweite Vertretung für MountainbikerInnen. Und das bei über einer Million Personen, die den Sport ausüben.

Hier nebenan findet ihr die Hauptrede zur von mir einberufenen aktuellen Stunde zum Thema Mountainbike.

WIE MACHENS ANDERE – ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN

Wie machen es andere?

In Schottland werden Trailcenter von den Bundesforsten betrieben. Wen es genauer interessiert – einfach hier klicken. 

Dänemark: will alle 40km ein legales Angebot.

Tschechien: äußerst beliebte Trailcenter, die viel Publikum aus ganz Europa anlocken – siehe hier.

Das Rad hat besonders während der Pandemie einen enormen Aufschwung erlebt – insofern wird aber das Angebot noch wichtiger. Die Trailwüste Österreich soll ein blühendes Land werden, besonders durch die neuen Entwicklungen E-Bike und Gravelbike braucht es schnell ein legales Netz an Strecken.

Wir brauchen bei allen WaldnutzerInnen gegenseitiges Verständnis, wir brauchen Verständnis dafür, dass der Wald entlang seiner 4 Funktionen Nutz/Schutz/Wohlfahrt/Erholung für alle da sein soll, und wir brauchen Verständnis dafür, dass der Wald einmal zuallererst ein Lebensraum für Flora und Fauna ist, und sich die Nutzung immer danach zu richten hat.