Der Boden unter unseren Füßen

BODENVERBRAUCH IN DER LANDWIRTSCHAFT

„Eine Nation, die ihren Boden zerstört, zerstört sich selbst“ – so lautet ein treffendes Zitat über den Boden aus dem 19. Jahrhundert.

Bereits seit 2002 steht in der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie die Richtlinie von 2.5ha Flächenverbrauch pro Tag. Dieser Wert wird um das bis zu 5fache überschritten.

Hier gibt es leider auch keine gute Neuigkeiten aus der grünen Mark: ist Österreich schon Europameister im Flächenverbrauch, setzt sich die Steiermark hier noch mit deutlichem Vorsprung die innerösterreichische Krone auf.

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FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN

Ein paar Kennzahlen zu dem Thema: schon jetzt können wir nur die Hälfte unseres Bedarfs an Gemüse selbst produzieren. Für Österreich heisst das, dass wir jedes Jahr einen Produktionsverlust für 20.000 Menschen verlieren.

Marschieren wir in dem Tempo weiter, gibt es bei uns in 200 Jahren keine landwirtschaftlichen Produktionsflächen mehr.

In der Steiermark wurden in den letzten fünf Jahren 10.4 km2 Fläche verbaut.

Ein weiterer Faktor: Menschen haben sich historisch immer dort niedergelassen, wo die Böden besonders fruchtbar waren. Dies hat zur Folge, dass besonders die ertragreichen Flächen durch das Wachsen der Städte und Gemeinden betroffen sind.

DIE GRÜNDE

Es gibt mehrere Gründe dafür, warum der Flächenverbrauch bei uns solche Auswüchse erreicht: Bodenschutz ist bei uns Landessache und in erster Hand Angelegenheit der BürgermeisterInnen. Versiegelte Fläche erhöht die Einnahmen aus der Kommunalsteuer, das erhöht natürlich auch den Druck auf die lokal Verantwortlichen. Weiters wird Bauland oft auch nicht als solches genutzt und als Wertanlage vererbt – dies führt auch zur Ausfransung und Zersiedelung der Gemeinden. Darüber hinaus haben wir in Österreich etwa 40.000 ha stillgelegte Gewerbeimmobilien, für diese müsste eine Revitalisierung deutlich attraktiviert werden – derzeit wird die grüne Wiese priorisiert.

BIODIVERSITÄT

Auch für die Biodiversität hat der Bodenverlust tragische Folgen: in der Steiermark sind bis zu 50% der Arten gefährdet. Durch den Verlust der Flächen werden die Lebensräume für Flora und Fauna weiter eingeschränkt. Die Zersiedelung führt auch dazu, dass Biotope voneinander getrennt und zerschnitten werden. Die Biodiversitätskrise ist neben der Klimakrise die grosse Herausforderung unserer Zeit, Biodiversität – die ja so wichtige Themen wie Nahrungsversorgung, Sauerstoff, Medikamente betrifft – ist die Lebensversicherung unserer Zukunft.

DARÜBER HINAUS…

Weiters sind die landwirtschaftlichen Böden ja nicht nur durch die Versiegelung bedroht: durch den Klimawandel ausgelöste Wetterereignisse setzen dem Boden zu – sei es durch Starkregen und die dadurch bedingte Erosion, Trockenheit, die auch Standortschutzwälder bedroht, Spätfrost oder Hagel. 380.000 ha Boden sind beispielsweise durch Erosion bedroht, besonders die Produktionsflächen im Weinbau und für die Zuckerrübe sowie Körner- und Silomais.

WAS TUN?

Es braucht dringend Maßnahmen und neue Konzepte in der Raumordnung, die dem Flächenfraß etwas entgegensetzen: einen Schutz für landwirtschaftliche Produktionsflächen, eine Aktivierung von nicht genutztem Bauland, eine Verpflichtung zur Entsiegelung von nicht mehr genutzten Industrieflächen, Attraktivierung von nicht genutzten Industrieflächen, vor allem aber auch eine Bewußtseinsbildung für die Wichtigkeit der wertvollen Ressource „Boden“!