Darf man ein Tier töten?

Das ist – insbesondere als Grüner – natürlich eine heikle Frage. Ich will einen Antwortversuch so einleiten: niemand sollte ein Tier aus Jagdtrieb und der Lust am Töten erlegen. Gerade bei der Jagd prallen aber ganz unterschiedliche Themenfelder aufeinander.

NATÜRLICHE ABLÄUFE

Man hört des öfteren, dass man Wald und Wild sich selbst überlassen sollte. Was von der Herangehensweise nachvollziehbar klingen mag, hat aber einen entscheidenden Haken: so etwas wie eine unberührte Natur gibt es bei uns de facto nicht. Die Zurückdrängung grosser Beutegreifer, die Umgestaltung der Kulturlandschaft, die Zersiedelung und Erschliessung haben schon lange dazu geführt, dass hier kein natürliches Gleichgewicht existieren kann. Insofern braucht es eine gewisse Regelung – ein Beispiel dazu: lt. Mariazeller Erklärung sollen Schutzmassnahmen in der Aufforstung die Ausnahme sein – jeder, der so wie ich einen Wald bewirtschaftet, weiss, dass das viel mehr die Regel ist.

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…ABER DARF MAN JETZT EIN TIER TÖTEN?

Ich versuche hier, die Tierindustrie der Jagd gegenüber zu stellen. Das Wild verbringt sein ganzes Leben in freier Natur, das Rehwild beispielsweise nimmt als Konzentratselektierer nur äußerst hochwertige Nahrung zu sich. Es gibt auch keinen Weg zum Schlachthof, Tiertransporte oder ähnliches. Rehwild hat unter idealen Bedingungen ein Reproduktionspotential von 140% – das geht sich im Einklang mit der Forstwirtschaft nicht aus.

Wenn das Ziel die Versorgung mit einem nachhaltigen Lebensmittel ist, das von „Nose to tail“ genutzt wird, halte ich das im Vergleich zu den meisten Dingen, die man im Supermarkt erhält, für einen gangbaren Weg.

Wovor ich mich verwehre, sind Zugänge wie beispielsweise die Trophäenjagd. So etwas hat im 21. Jahrhundert nichts mehr verloren – auch meine Stellungnahme zu dem Abschuss des Bären in Rumänien war sehr eindeutig. 

Ebenfalls jegliche Konzepte, die Stückzahl künstlich zu erhöhen bzw. in Zucht aufgezogene Tiere in die Natur einzubringen, um sie dann erlegen zu können – wie beispielsweise die Fasananejagd –  lehne ich strikt ab.

WAS TUT EIGENTLICH DIE JÄGERSCHAFT?

Auch die Jagd hat sich gewandelt. Der jüngeren Generation der JägerInnen geht es vermehrt darum, die Natur zu erleben, Lebensräume zu gestalten, aber auch, Verantwortung zu übernehmen. Beispielsweise ist das Thema Fallwild eines, das viel Einsatz benötigt. Gewisse – auch gefährdete – Tierarten brauchen Biotoppflege, auch das fällt in den Kompetenzbereich der Jagd. Gerade in der Steiermark, wo so viel Boden versiegelt wird wie nirgendwo sonst in Österreich, ist die Erhaltung von Lebensräumen ein äußerst wichtiges Thema. Oft wird der oder die JägerIn auf den Abschuss reduziert – aber ein Jagdschein soll und muss heutzutage wesentlich mehr bedeuten, als den Abzug zu drücken. Und diesen Zugang zur Jagd finde ich auch begrüßenswert.