Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Diesen Satz hat bestimmt jeder von uns gehört. Was hat er mit Gewalt gegen Frauen – und den zahlreichen Femiziden im heurigen Jahr – zu tun? Die Antwort: mehr als man glaubt! Es geht darum, dass bereits im Kindesalter Anweisungen gegeben werden, Gefühle zu unterdrücken. Auch wenn der Satz für manche niedlich klingen mag – er ist es nicht. Ganz im Gegenteil, er kann unter Umständen sogar schwerwiegende Folgen haben. Es ist nichts anderes als eine Anweisung, Gefühle zu unterdrücken.

(Photo: Nathan Dumlao)

WERDEN ALS KIND SCHON AUF MANN GEEICHT…

…hat Herbert Grönemeyer in seinem gesellschaftskritischen Hit „Wann ist ein Mann ein Mann“ gesungen. Und genau da liegt auch ein zentrales Problem in der Thematik: nämlich das des Rollenbild des Mannes. Dieses muss in der heutigen Zeit grundlegend neu gedacht werden – es ist höchst an der Zeit, hier aktiv als Mann mitzuarbeiten. Denn: Emanzipation der Frauen kann nur funktionieren, wenn auch die Männer sich emanzipieren und Verantwortung übernehmen. Let’s get in the driver’s seat, gentlemen!

GEWALT AN FRAUEN IST EIN MÄNNERPROBLEM…     

…und muss auch von Männern gelöst werden! Denn die Femizide stellen lediglich die Spitze des Eisbergs dar – wieviele Frauen sind in gewaltvollen Beziehungen gefangen, die sie nur aus Angst nicht beenden? Wie vielen Frauen wird so die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben genommen?

Aber es geht nicht nur um die rein körperliche Gewalt: auch strukturelle und institutionelle Gewalt sind leider Themen, die dringend einer Verbesserung bedürfen. Beispielsweise ist der Anteil des Führungspersonals in börsennotierten Unternehmen in Österreich lediglich 9%. Die ökonomische Abhängigkeit durch Schwangerschaft und Lohnschere ist Realität. Und auch ein Blick zu uns in den Landtag zeigt: 2 Fraktionen sind beispielsweise rein männlich in die Legislaturperiode eingezogen – auch das ist eine Machtdemonstration gegenüber den Frauen. Und rein weibliche Fraktionen? Fehlanzeige.

KARTEN AUF DEN TISCH

Besonders als Mann ist es mir wichtig zu sagen – wir müssen uns hier unserer Vorteile bewusst werden. Als Mann ist man in Österreich gegenüber einer Frau bevorzugt – sei es durch durch Gesetze, Finanzen, Privilegien. Wir Männer haben die Verpflichtung, den Prozess der Veränderung aktiv mitzugestalten. Es reicht nicht, Emanzipation zu befürworten – man(n) muss sie leben! Ein Blick nach Skandinavien zeigt, wie es gehen kann – „Equal Pay“ ist hier wesentlich weiter implementiert, auch spielen die Männer in der Kinderbetreuung eine deutlich größere Rolle. Bei uns gilt immer noch: geht der Mann in die Kinderbetreuung, heisst das in den meisten Fällen weniger Familieneinkommen und eingeschränkte Karrierechancen für den Mann – und es ist ein perfektes Beispiel für fehlgeleitete Strukturen.

WANN IST EIN MANN EIN MANN?

Um bei Herbert Grönemeyer zu bleiben – wann ist ein Mann nun ein Mann? Das Rollenbild des Mannes gehört von der frühen Kindheit weg neu gedacht. Es muss für Männer normal sein, Gefühle zu zeigen. Ein Mann muss Fehler eingestehen können. Ein Mann muss um Hilfe bitten können. Nur so können wir für einen grundlegenden Wandel in unserer Gesellschaft sorgen – ein Wandel, der für Gleichberechtigung sorgt und viel Leid verhindern kann.

WIE SORGT MAN FÜR VERÄNDERUNG?

Es ist natürlich eine Frage der Erziehung – gerade erst hab ich den Artikel gelesen, als ein Schüler (und weil ich das dann oft gefragt werde – es handelt sich um einen autochthonen Österreicher) gemeint hat, er würde von einer Frau, nämlich seiner Klassenlehrerin, keine Anordnungen befolgen. Was war die Konsequenz? Er wurde in die Nebenklasse versetzt, wo es einen Klassenlehrer gab, damit er sich nicht umgewöhnen muss.

Solange so ein Szenario auf diese Art gelöst wird, haben wir noch sehr viel Arbeit vor uns.

Es wäre wichtig, an jeder Bildungseinrichtung – besonders im sehr jungen Alter – eine/n Beauftragte/n für die Genderthematik zu haben. Natürlich gehört das Thema auch mit entsprechendem Gewicht in die Ausbildung der PädagogInnen integriert.

Damit Frauen in Zukunft auch wirklich die gleichen Chancen vorfinden wie wir Männer.

Es beginnt mit mir und dir.