Bier, Pestizide und der European Green Deal

TRINKST DU GERNE BIER?

Ich ja. Nicht so oft, aber sehr gerne. Isst du auch gerne einen Apfel? Oder Honig? Also, ich auf jeden Fall. 

Viel lieber würde ich diese wertvollen Lebensmittel aber ohne Pestizide geniessen. Man findet Pestizide in Lebensmitteln, im Schlafzimmer, im Gras, wo unsere Kinder spielen – und ich möchte gar nicht näher ausführen, wo noch, ihr könnt es euch wahrscheinlich ohnehin denken. Hier findet ihr jedenfalls den Link zum gerade aktualisierten Pestizidatlas – macht euch selbst ein Bild!

WELTWEITE BEDEUTUNG

385 Millionen Menschen sind weltweit von Pestizidvergiftungen betroffen, seit vielen Jahren ist bekannt, dass Pestizide Flora und Fauna massiv schädigen und Gewässer kontaminieren. Die gerade erst neu erschienene „Rote Liste“ in der Steiermark bescheinigt (nachzulesen hier ), wie dramatisch der Verlust an Biodiversität bei uns ist – jede 2. Tierart ist gefährdet. Wer den „5 vor 12“ – Sager nicht mehr hören kann, keine Sorge – es ist 1 vor 12. Ich werde auch niemals müde, die Bedeutung von Biodiversität zu unterstreichen: es geht um nichts anderes als die Ernährung, die uns sättigt, um die Medizin, die uns heilt, um Wasser und Sauerstoff für unser Überleben. Biodiversität ist die Lebensversicherung unserer Zukunft.

WAS WILL DIE EU?

Es gibt ein klares Zeil seitens der EU: Reduktion des Pestizideinsatzes um 50%. Die europäische Initiative „Save bees and farmers“ (schaut euch das hier an) fordert überhaupt bis 2035 den kompletten Ausstieg aus chemischen Pestiziden – immerhin 1,2 Millionen Menschen haben diese Forderung unterschrieben. Es gibt also einen klaren Handlungsauftrag an die Politik: einerseits die Bäuerinnen und Bauern dabei unterstützen, weniger Pestizide einsetzen zu müssen, andererseits transparente Kontrolle, was genau wo und wann ausgebracht wird.

UNSERE FORDERUNGEN – REAKTION DER LANDESREGIERUNG
Deshalb habe ich in einem Antrag gefordert, einerseits die Daten – die die Betriebe ohnehin aufzeichnen und auf Verlangen vorweisen müssen – zentral anonymisiert zu verwerten, um zu wissen, wo Potential für Verbesserung besteht. Andererseits war Teil des Antrags fachliche Unterstützung betreffend neuester technischer Innovationen, um Pestizide möglichst effizient einzusetzen und auch Probleme wie die Abdrift in den Griff zu bekommen – also durchwegs Dinge, von denen sowohl AnwenderInnen als auch KonsumentInnen profitieren.

Warum die Landesregierung hier dagegengestimmt hat, ist mir völlig schleierhaft. Hier geht es um unser aller Zukunft.

VERGEBENE CHANCE

Der gerade beschlossene „Nationale Aktionsplan über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln“ für Österreich 2022-2026 enthält leider kein wie oben genanntes Reduktionsziel, das den Vorgaben des European Green Deals entspricht. Hier wäre mit wenig Aufwand eine transparente Vorgehensweise möglich gewesen – so bleibt es beim Status Quo, dass lediglich die verkauften Mittel dokumentiert werden, nicht aber, wann und wo welcher Wirkstoff ausgebracht wird. Mittel, die aus dem Ausland importiert werden, sind ohnehin ein weiterer Problemfall. Aber wenn es um den Erhalt der Biodiversität geht, könnt ihr euch sicher sein – ich und wir bleiben dran!